Was passiert, wenn ein Körper eine Grenze überschreitet?
In De Là à Là bewegen sich zwei Performer in entgegengesetzte Richtungen: Martina Gunkel, eine weiße Frau aus Deutschland, reist von Europa nach Afrika, während Sanga Ouattara, ein Schwarzer Mann von der Elfenbeinküste, den umgekehrten Weg nimmt. Ihre Bewegungen spiegeln einander – und basieren auf den Erfahrungen, die die beiden bei ihrer Ankunft auf dem jeweils anderen Kontinent gemacht haben. Doch die Bedingungen, unter denen sie sich bewegen und wahrgenommen werden, sind zutiefst ungleich.
Sie tragen mehr als Pässe und persönliche Gegenstände. Ihre Körper tragen Erinnerung: Spuren von Geschichte, vererbte Rhythmen und gelebte Erfahrung. Sie sind lebendige Archive – geformt durch das, was ihnen vorausgeht, und durch die Räume, die sie betreten. Territorium ist hier nicht nur geografisch, sondern auch im Körper eingeschrieben.
Die Performance legt die Asymmetrie von Mobilität und Migration offen. Während Bewegungen von Nord nach Süd oft als Offenheit oder Expertise interpretiert werden, ist der Weg von Süd nach Nord häufig geprägt von Einschränkung, Misstrauen und systemischen Barrieren – als Fortsetzung kolonialer Kontinuitäten.
Durch Choreografie, Präsenz und Konfrontation untersuchen die Künstler, wie Identität unter diesen Bedingungen entsteht. Was tragen wir in uns, und was wird uns von außen zugeschrieben? Wie verändert ein Ort den Menschen?
De Là à Là löst diese Spannungen nicht auf, sondern hält sie in geteilter Präsenz. Die Arbeit stellt die Frage, wie Körper, die in Migrationssystemen ungleich positioniert sind, dennoch auf menschlicher und sinnlicher Ebene zueinander finden können – und welche Formen von Beziehung jenseits dieser Trennungen möglich werden.